Seminar

Fühlen, Tasten, Behandeln (ptHOLIdays) (S-207)

Die Bedeutung der Haptik für die tägliche Praxis, Kommunikation und Zusammenarbeit in der Physiotherapie

Kurzbeschreibung

Zutritt nur mit Kongressticket
Fortbildungspunkte / Übungseinheiten: 2

Beschreibung

Was weiß man bisher? Haptik ist das Wissenschaftsgebiet vom Tastsinnessystem. Die Bezeichnung dieses Forschungs- und Lehrgebietes erfolgt in Anlehnung an beispielsweise die Optik, Akustik, Biomechanik. Es gibt – anders als bei anderen Sinnessystemen: z. B. Riechen –> Nase, Sehen –> Auge, Hören –> Ohr - kein einzelnes Organ, sondern im gesamten Körper ist eine Vielzahl an Rezeptoren und Prozessen für das haptische System und den Tastsinn verantwortlich. Das Tastsinnessystem ist damit das größte menschliche System. Der Tastsinn ist der erste und letzte ausgeprägte Sinn in unserem Leben. Er spielt im Kontext von Bewegung, Schmerz, Trauer sowie Distanz und Nähe eine herausragende Rolle. Es werden die Interozeption (Wahrnehmen des eigenen Herzschlages, der Darmperistaltik usw.), die Exterozeption (aktives Tasten und Befunden von Haut- und Gewebeveränderungen der Patient:innen usw.) und die Propriozeption (Einstellung der Gelenke für Bewegungsabläufe usw.) unterschieden. Was bedeutet das für die Praxis? In der Physiotherapie ist das Palpieren Teil der Untersuchung und Therapie und die Interaktion mit den Patient:innen und ggf. deren Angehörigen ist Teil des partizipativen Entscheidungsprozesses für die Therapieplanung und Adhärenz. Dabei handelt es sich ausgehend von der/dem Physiotherapeut:in um einen bewussten, praktischen und nach außen gerichteten Prozess. Spezielle beim Palpieren oder der Manualtherapie erhält das Tastsinnessystem Informationen zur physischen Beschaffenheit (hier z. B. Verschieblichkeit von Gewebeschichten unterschiedlicher Tiefe, Gewebespannung, Veränderungen im Muskelgewebe) sowie Informationen zum Begreifen, Verstehen und Erleben des Organismus (hier z. B. Schmerzeinschätzung, Bewegungseinschränkung, Blockierung). Die/Der Patient:in nimmt innerhalb dieses Prozesses wahr und gibt z. B. eine Rückinformation an den/die Physiotherapeut:in zur Schmerzstärke oder Qualität (z. B. stechend, schneidend, bohrend, dumpf). Unter anderem für die Schmerzanamnese ist auch von Bedeutung, dass haptische Erfahrungen im Langzeitgedächtnis erfasst und entsprechend erinnert werden können. Was erwartet die Teilnehmenden im Seminar? Im Seminar betrachten wir gemeinsam die unterschiedlichen Aspekte von Haptik im beruflichen Alltag, darunter auch in unserer Rolle als Communicator und Beziehungsgestaltende. Es wird außerdem ein Test zur Überprüfung der haptischen Schwelle als Maß für die aktive Tastsinnesleistung vergleichbar mit einem Hör- oder Sehtest vorgestellt. Darüber hinaus erhalten die Teilnehmenden einen Überblick zu aktuellen Erkenntnissen aus der Haptikforschung, zum standardisierten Training und zum Haptik-Schmerz-Test nach Görgner.

Referent: