Seminar

„Wenn das Hinterland nicht stimmt, bringt auch die Therapie nichts.“ (pt HOLIdays) (S-157)

Ein Plädoyer für die Aufwertung der Angehörigenarbeit in der Therapie.

Kurzbeschreibung

Zutritt nur mit Kongressticket
Fortbildungspunkte / Übungseinheiten: 4

Beschreibung

Was weiß man bisher? Pflegende Angehörige sind die wichtigste Unterstützung für die Patienten/innen und übernehmen neben der Pflege der Patienten/innen häufig weitere wichtige Funktionen als Vermittler, Multiplikatoren und Entscheidungsträger (Reifgerste 2019). Dabei müssen sie sich in ein komplexes, sich stetig änderndes Aufgabenspektrum einarbeiten, auf welches sie nicht vorbereitet sind und werden. Angehörige sind damit schon in einem hohen Maß belastet. Auch die therapeutische Versorgung ist oft nur mit Unterstützung der Angehörigen möglich und (nachhaltig) sinnvoll. Dieser Relevanz in der Versorgung der Patienten/innen steht derzeit eine Nichterwähnung bzw. eine völlig untergeordnete Rolle in unserem Gesundheitssystem gegenüber. Sie sind „Hidden in plain sight“ (Wolff & Roter, 2008). Ihre Unterstützungsbedarfe zur Durchführung und Bewältigung der Versorgungsaufgaben sowie auch ihre eigene Selbstfürsorge werden vom Gesundheitspersonal / Therapeuten bislang nur unzureichend wahrgenommen. Was bedeutet das für die Praxis? Patienten/innen und Angehörige befinden sich in der gleichen Lebenswelt. Im Krankheits- und Therapieverlauf ändern sich nicht nur die Versorgungsanforderungen und Bedürfnisse des Patienten, sondern auch die Bedarfe der Angehörigen, um ihre Nächsten angemessen zu unterstützen. Lindgren (1993) unterscheidet verschiedene Stadien der „Pflegendenkarriere": 1) Eintrittsphase - Übernahme der Pflegerolle 2) Beständiges Stadium 3) Austrittstadium – Abgabe der Pflegerolle. In den Phasen werden pflegende Angehörige mit unterschiedlichen Aufgaben und Herausforderungen bei der Versorgung ihrer Nächsten konfrontiert. Für eine nachhaltigere Therapieumsetzung sollten die Unterstützungsbedarfe der Angehörigen differenzierter Berücksichtigung finden und in den Versorgungs- und Therapieprozess eingebunden werden. Was erwartet die Teilnehmenden im Seminar? Hauptanliegen des Seminars ist es, den Blick auf die Rollen und Unterstützungsanliegen der pflegenden Angehörige als „unsichtbare Klientengruppe“ im Rahmen der therapeutischen Versorgung zu lenken. Anhand von Fallbeispielen und mit Hilfe von Krankheits- bzw. Versorgungsverlaufskurven-Modellen werden die Phasen der Angehörigenpflege näher beleuchtet und Unterstützungsanliegen mit den Teilnehmenden herausgearbeitet. Der Workshop soll für die Rolle der Angehörigen sensibilisieren und den Blick für die therapeutische Angehörigenarbeit weiten und schärfen.

Referent: