Kongress therapie LEIPZIG

Das bewegende Büro (S-160)

Physiologisches Verhalten in Büroräumen klug organisieren

Kurzbeschreibung

Einstiegsseminar

Beschreibung

Ziel, Inhalte

Ziel dieses Workshops ist es, empirisch und konzeptionell zu verdeutlichen, dass das komplexe physiologische System des Menschen einen diversifizierten Interventionsfokus benötigt, um Gesundheit als Ganzes als auch Work Ability (Richenhagen 2007) nachhaltig zu gewährleisten. Raumkonzepte bestimmen hierbei ganz wesentlich unsere körperlich-geistige und seelische Haltung. Ganz nach Winston Churchill: First we shape our buildings and afterwards they shape us!”

Warum Körper und Geist nur bei regelmäßiger Bewegung funktionieren

Sicher haben wir alle schon von den rückenschonenden Arbeitsplatzverhältnissen und –verhaltensweisen gehört. Auch wenn das zunächst angenehm klingt. Bei über 90% der unspezifischen Rückenproblemen bedeutet aber Schonung Unterforderung. Und hier gilt die biologische Formel: „Use it or lose it!“ Schon der berühmteste Arzt des Altertums, Hippokrates (460–370 v. Chr.), hat den Zusammenhang von Bewegung, Aktivität und Gesundheit erkannt. „Alle Teile des Körpers, die zu einer Funktion bestimmt sind, bleiben gesund, wachsen und haben ein gutes Alter, wenn sie mit Maß gebraucht werden und in den Arbeiten, an die jeder Teil gewohnt ist, geübt werden. Wenn man sie aber nicht braucht, neigen sie eher zu Krankheiten und altern vorzeitig.“

The „sedentary behavior“. Ist Sitzen das neue Rauchen?

Der Arbeitsplatz in einem Büro ist für die meisten Menschen für mindestens acht Stunden am Tag ihr Lebens- als auch Sitzraum. Ein unübersichtliches Angebot an ergonomischen Bürodrehstühlen mit ihrem verstell technischem „Hebel-Wirrwarr“ und rückengesunden Versprechungen suggerieren dem Verbraucher „Rückengesundheit“ und Sitzkomfort. Das Gegenteil ist aber der Fall. Die Ergebnisse medizinischer Forschungsstudien der vergangenen Jahre offenbaren, dass unsere durch Digitalisierung und Technologisierung veränderten Verhaltensweisen, ein sog. „sedentary behavior“ begünstigen, was den Weg für komplexe Krankheitsbilder und ebnet und das Mortalitätsrisiko erhöht (Wilmot u. a. 2012).

Mensch und Raum stehen in Wechselwirkung

Hinsichtlich gesundheitsphysiologischer Diskussionen wird immer wieder auf die Wechselwirkung von Mensch und Raum verwiesen. Wohlbefinden, sozialer Austausch und Produktivität sind sehr stark daran geknüpft, inwieweit Verhältnisse diese positiv stimulieren oder nicht (Reiz – Reaktion). In diesem Kontext entwickeln sich Büroräume immer mehr von reinen „Sitzarbeitsplätzen“ zu „Menschen bewegende“ Räumlichkeiten, in denen Arbeit und auch physiologische Bedarfe ganzheitlich aufeinander bezogen sind (Breithecker 2017). So kann ein den Körper und Geist rhythmisierendes Verhalten neben arbeitsorganisatorischen Veränderungen auch ganz entscheidend durch eine gezielte Auswahl von Büromöbeln signalisiert und ausgelöst werden, wie beispielsweise:

• diverse Stühle mit flexibler Sitzfläche für ein aktiv-dynamisches Sitzen,

• unterschiedliche Stehanreize (Stehpulte, Sideboards in geeigneter Höhe), damit Sitzen häufig unterbrochen werden kann und Meetings grundsätzlich im Stehen stattfinden können,

• Loungemöbel für Ruhe und Entspannung.

Referent:

Dr. Dieter Breithecker
Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e.V.