Fortbildungskongress der DGNKN / DGNR

Fortbildungskongress DGNKN / DGNR (D-001)

Unterstützung der Neurorehabilitation: Medikamente und Botulinumtoxin

Kurzbeschreibung

Einstiegsseminar / Fortbildungspunkte werden bei der Sächsischen Landesärztekammer beantragt. Fortbildungspunkte für Therapeuten: pro Halbtagsveranstaltung 3 Punkte

Beschreibung

Fortbildungskongress DGNKN / DGNR
Unterstützung der Neurorehabilitation: Medikamente und Botulinumtoxin

Zur Milderung der Folgen eines Schlaganfalls wurden in der Vergangenheit viele verschiedene Medikamente eingesetzt. Aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer wurden die umfangreichsten Studien mit Fluoxetin durchgeführt. Fluoxetin kann nicht der Grad der Behinderung verbessern, aber wahrscheinlich bei der motorischen Funktionserholung unterstützen. Zur Behandlung einer begleitenden Depression sollte es eingesetzt werden. Für Citalopram existieren sowohl positive als auch negative Studien. L-Dopa führte in einer relativ kleinen Studie (n=53 Teilnehmer) zu einer motorischen Funktionsverbesserung, war hingegen in einer deutlichen umfangreicheren Studie (n=593 Teilnehmer) unwirksam. Für Amphetamine existieren 10 placebo-kontrollierte Studien, von denen 3 positiv und 7 negativ waren. Dalfampridin verbesserte die Gehgeschwindigkeit bei chronischen Schlaganfallpatienten, war aber in der Subakutphase unwirksam. Die intravenöse Gabe von Cerebrolysin führte zu einer verbesserten Armfunktion, einem niedrigeren Behinderungsgrad und geringerer Ausprägung neurologischer Symptome und wird von der European Federation of Neurorehabilitation Societies empfohlen. Weitere Substanzen wie Neuroaid® und CEGI sind nur in Asien verfügbar. Zur Unterstützung der Aphasie-Behandlung besteht die relativ beste Evidenz für den Einsatz von Pirazetam. Zur Behandlung von Spastizität stehen oral verabreichte Medikamente zur Verfügung (Baclofen, Tizanidin, Tolperison, Clonazepam, Tetrahydrocannabinol), die aber das Risiko beinhalten, dass eine muskuläre Schwäche entsteht. Für fokale und segmentale Spastizität ist das intramuskulär applizierte Botulinumtoxin Typ A Mittel der Wahl. Die Wirkung setzt üblicherweise innerhalb von 7 Tagen ein und hält ca. 3 Monate an. Bei generalisierter Spastizität kann der Einsatz von intrathekal verabreichtem Baclofen erwogen werden.

Referent: Joachim Liepert, Allensbach

Referent:

Prof. Dr. Joachim Liepert
Kliniken Schmieder