Kongress therapie LEIPZIG

Sport- und Bewegungstherapie in der Onkologie (S-218)

Aktuelle Entwicklungen in Forschung und Praxis

Kurzbeschreibung

Einstiegsseminar / 4 Fortbildungspunkte

Beschreibung

In den letzten beiden Jahrzehnten ist die Anzahl der Studien – und damit das Wissen – zu Sport- und Bewegungstherapie in der Onkologie exponentiell gewachsen. Das American Col-lege of Sports Medicine (ACSM) publizierte im Jahr 2010 die ersten Trainings- und Bewe-gungsempfehlungen für Krebsbetroffene. Sie besagen, dass Training auch während und nach einer Krebstherapie sicher ist und gut toleriert wird. Positive Effekte waren zu diesem Zeit-punkt auf die körperliche Fitness und Funktion, Lebensqualität und Fatigue mit ausreichender Evidenz nachgewiesen. Ein Update aus dem Jahr 2019 erlaubte bereits mit moderater bis starker Evidenz gezielte Empfehlungen zur Dosierung des Trainings bezüglich dieser Endpunk-te sowie depressiver Symptome, Angst, Schlaf, Knochendichte und Lymphödeme. Aktuell werden Trainingseffekte auf weitere onkologische Beschwerdebilder untersucht. Hier-zu gehören therapiebedingte Herz- und Nervenschädigungen oder Kognitionsstörungen. Auch die Therapieverträglichkeit und der Therapieerfolg sind Gegenstand laufender Studien. Das Einsatzfeld weitet sich auf die „Prähabilitation“ aus, was bedeutet, dass Betroffene bereits vor einer Operation oder anderen Therapie trainieren, um diese möglichst gut zu überstehen. Auch zu Patienten mit Knochenmetastasen, die bislang wegen des Frakturrisikos häufig vom Training ausgeschlossen waren, ist ein erster Expertenkonsens erschienen. Das Expertengre-mium befürwortet Training unter qualifizierter Anleitung nach einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung. Die flächendeckende Umsetzung von sport- und bewegungstherapeutischen Angeboten in der Praxis hinkt diesem Wissensstand hinterher. Wichtige Beiträge, um diese Lücke zu schließen, sind unter anderem eine bewilligte und derzeit in Planung befindliche S3-Leitlinie „Bewegungs-therapie bei onkologischen Erkrankungen“, Bildungsangebote zur Qualifikation von Trainerinnen und Trainern, Sport- und Bewegungstherapeuten sowie Konzepte und Netzwerke für die Zuweisung von Krebsbetroffenen zu Bewegungsangeboten. Letztlich ist jedoch die noch ausstehende adäquate Finanzierung von onkologischer Sport- und Bewegungstherapie durch die Krankenkassen entscheidend, um Krebsbetroffene dem Forschungsstand entsprechend versorgen zu können.

Referent:

Prof. Dr. Friederike Rosenberger
Hermann-Neuberger-Sportschule