Kongress therapie LEIPZIG

Versorgungspraxis und Zukunftsvisionen für eine gelingende interprofessionelle Kooperation im Feld planetarer Gesundheit (S-272)

Kurzbeschreibung

Einstiegsseminar

Beschreibung

Versorgungspraxis und Zukunftsvisionen für eine gelingende interprofessionelle Kooperation im Feld planetarer Gesundheit

Public – Global – Planetary Health: Wie sieht eine gesunde Zukunft aus?

Welche Visionen haben wir von einer gesunden Zukunft und wie können wir diese erreichen? Dieser Vortrag bietet einen Perspektivwechsel, heraus aus der alltägliche Krankenversorgung hin zu präventiven Prozessen von denen Klima und menschliche Gesundheit gleichermaßen profitieren. Globale und ganzheitliche Ansätze bilden dabei die Grundlage für ein neues, planetares Verständnis von Gesundheit im Angesicht von Klimakrise und Pandemien. Dies ermöglicht uns, nicht nur künftige Herausforderungen besser zu erkennen, sondern auch zukunftsweisende Handlungsmöglichkeiten für Gesundheitssektor und Gesellschaft zu entwickeln.

Referentin: Dorothea Baltruks

Gesunde Ernährung = gesunde Erde? Ein Blick über den Tellerrand

Dass die Ernaehrung grossen Einfluss auf unsere Gesundheit hat, ist schon lange bekannt. Es heisst: man ist, was man isst. Der Stoffwechsel des menschlichen Koerpers braucht Futter, um das Wunder des Lebens am Laufen und das Gleichgewicht der inneren Vorgaenge in der Waage zu halten. Gerade wir in den Gesundheitsberufen wissen allzu gut, dass ein Ungleichgewicht Krankheiten foerdert und Veraenderungen der Ernaehrungsweise die Genesung positiv beeinflussen koennen. Wenn man nun vielen komplexen Krankheiten gleichzeitig vorbeugen will, braucht es auch komplexe Therapieformen. Es faellt der Begriff Lebensstilaenderungen. Doch der Stil unseres Lebens wird massgeblich von der Gesellschaft gepraegt und hat erheblichen Einfluss auf uns und unser Verhalten. Wir leben in einem komplexen System mit allem Anderen auf diesem Planeten. Und Krankheiten gehören auch mit dazu. Die Disziplin der Planetary Health beschaeftigt sich mit diesen Wechselwirkungen: Ein gesunder Planet mit einem gesunden Klima ist die Grundlage für gesunde Menschen. Um dem Thema Ernaehrung auf den Grund zu gehen, haben sich in der EAT-Lancet Commission 37 führende Wissenschaftler*innen aus 16 Laendern zusammengetan, um interdisziplinaer mit ihrem Wissen zu Medizin, Landwirtschaft, Politik und Nachhaltigkeit den Fragen einer gesunden Ernaehrung nachzugehen. Und gesund heisst in diesem Fall eine Ernaehrung, die alle Naehrstoffe abdeckt, für alle Menschen ausreicht, vor Zivilisationskrankheiten schützt, auf lange Zeit mit den planetaren Grenzen vereinbar ist und natürlich für Genuss sorgt. Die Kommission hat die vielfaeltige, bereits vorhandene Evidenz zusammengetragen und in einem Summary Report veroeffentlicht. Darin werden klare Ziele definiert, die von der landwirtschaftlichen Produktion am Anfang der Nahrungskette bis hin zum Teller der Verbraucher*innen reichen. Und gleichzeitig werden Handlungsempfehlungen zur Verwirklichung dieser Ziele formuliert und uns mit auf den Weg gegeben. Eine grosse Transformation beginnt im Kleinen und wo ist das Thema einer (klima-)gesunden Ernaehrung besser aufgehoben, als in den Gesundheitsberufen! Ein Vortrag zur Planetary Health Diet.

Referent: Jan Giesecke, Jena | Ida Herzog, Jena

Planetare Gesundheit braucht planetare Gerechtigkeit
Die globalen Auswirkungen der Klimakrise und ihre gesundheitlichen und sozialen Folgen

Der Verein Demokratischer Ärztinnen und Ärzte (vdää) ist ein ärztlicher Berufsverband, der sich als kritische und progressive Alternative zu standespolitisch wirkenden Ärzteverbänden versteht. Er bietet Raum für gesellschafts- und selbstkritische Diskussionen, fördert die Vernetzung politisch aktiver Ärzt*innen, Medizinstudierender und Psycholog*innen, erarbeitet Analysen und beteiligt sich an gesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Die Regionalgruppe Ost des Vereins Demokratischer Ärztinnen und Ärzte (vdää) hat sich zu Beginn des Jahres 2020 zusammengefunden. Seit der Gründung ist unsere noch junge Gruppe vor allem im Themenfeld der bedarfsgerechten Gesundheitsversorgung aktiv gewesen. Die bisherigen Aktivitäten umfassen unter anderem die Teilnahme an Protestkundgebungen im Rahmen verschiedener Aktionsbündnisse sowie die Mitwirkung an einem Workshop zur Novellierung des Sächsischen Krankenhausgesetzes im Sächsischen Sozialministerium. Zu Beginn des Vortrags wollen wir kurz die bisherige Gruppenarbeit skizzieren. Im zweiten Teil möchten wir auf Herausforderungen und Widerstände eingehen, die uns bei den Bemühungen um eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung begegnet sind. Anhand der erfahrenen Herausforderungen wollen wir beispielhaft aufzeigen, warum wir glauben, dass sozialer Aktivismus und Klima- bzw. Umweltaktivismus Hand in Hand gehen sollten. In der abschließenden Diskussionsrunde wollen wir gemeinsam mit den Zuhörer*innen Ideen zur stärkeren Verzahnung von sozialen und Umweltbewegungen entwickeln.

Referent: Friederike von Gierke

Handbuch Grüne Praxen – Klimabewusst im Praxisalltag
Einblicke in den Leitfaden für Nachhaltigkeit in ambulanten Praxen

Die Klimakrise ist die größte Bedrohung der Gesundheit im 21 Jahrhundert. Gleichzeitig ist die notwendige Transformation auch die größte Chance für die Gesundheit der Menschen. Um die Erderwärmung auf die im Pariser Klimaabkommen von 2015 festgelegten 1,5° zu begrenzen bedarf es großer Kraftanstrengungen aller Teile der Gesellschaft. Der Gesundheitssektor trägt mit ca. 5,2 % zum Gesamt-CO2-Ausstoß in Deutschland bei. Wir können mit einer nachhaltigen Ausrichtung unserer Praxis den Fußabdruck verringern und dazu beitragen, unsere Lebensgrundlagen im Sinne der „Planetary Health“ zu erhalten und die Gesundheit der Menschen zu fördern. Wir haben uns im transdisziplinärem Team angesehen welche Stellschrauben es in verschiedenen Praxiskontexten gibt und haben folgende Bereiche ausgearbeitet:

- Aufklärung von Personal und Klientel zu klimabewussten Verhalten, Klimasprechstunde für Patient:innen,

- Präventionskonzepte als Beitrag zur Nachhaltigkeit,

- Ernährung mit der „Planetary Health Diet“

- Mobilität - Anreize für alternative Transportmittel,

- Energieversorgung und –Verbrauch,

- Büroorganisation mit z.B. Papierverbrauch und EDV Nutzung,

- Einkauf der Verbrauchsmaterialien in Zusammenhang mit Hygienestandards,

- Abfallwirtschaft – 3 R-Regel: Reduce Reuse Recycle

- Betriebswirtschaft und Unternehmenskommunikation.

Wir geben Ihnen zu jedem Oberbegriff praktische Maßnahmen, die in der einen oder anderen Form auch in Ihrer Praxis umsetzbar sein können.

Refentin: Astrid Polzer, Hamburg

Health For Future am Universitätsklinikum Leipzig
Einige Erfolge, aber auch viel Frust – und trotzdem hat es sich gelohnt

Seit den mutigen Demonstrationen von Fridays For Future (FFF) hat sich das Bewusstsein für Umweltschutz in unserer Gesellschaft grundlegend gewandelt. Grund für diesen Wandel sind nicht veränderte objektive Bedingungen, die zu einer anderen Wahrnehmung der Bedrohung geführt haben, sondern veränderte Einstellungen der Bürger/innen und Institutionen. Dies entstand unmittelbar und direkt durch die Bewegung FFF. Im Sog der FFF-Bewegung entstanden viele Gruppen, die die Ideen von FFF aufnahmen und in einem meist sehr konkreten Kontext weiter entwickelten. In dem Bewusstsein, dass die medizinische Versorgung in unserem Land sehr eng mit dem Thema Umweltschutz verbunden ist, konstituierte sich die Gruppe H4F Leipzig im Sommer 2019 als lockere Vereinigung von Ärzten/innen, Pflegenden/innen, Studierenden und Mitarbeitern/innen im Gesundheitswesen. Die Gruppe fokussierte von schon bald arbeitsteilig auf die 2 Gebiete Ambulanz und Klinik. Im Universitätsklinikum Leipzig versuchten am Anfang wenige Aktive die Gedanken der Umweltschutzbewegung sehr konkret umzusetzen. Dabei waren zunächst thematische Gruppen entstanden. Diese Gruppen arbeiteten in den Themengebieten Müllvermeidung/Energie, Kommunikation/Werbung/Internetauftritt, Speiseversorgung, Lehre/Mitarbeiterinformation und Mobilität miteinander an Projekten. Es gelang schnell, einen unmittelbaren Kontakt zu Entscheidungsträgern (kaufmännischer Vorstand) herzustellen, um an wichtigen Stellen vorsprechen zu können. Hier konnten Vorschläge gemacht und diskutiert werden. Auf der Grundlage dieser Kontakte wurden Projekte entwickelt, die direkt umgesetzt hätten werden können. Allerdings zeigte sich im konkreten Fall dann meist eine sehr rigide Verwaltung. Kleine Erfolge konnten gefeiert werden aber viele Ideen (obwohl schlüssig vorgelegt, kostenneutral und einfach umzusetzen) sind bis heute immer noch in der Planung. Wichtig war aus unserer Sicht auch die Etablierung einer Umweltschutzgruppe am gesamten Klinikum, um die Aktivitäten in alle Abteilungen zu tragen. Diese Gruppe existiert mittlerweile, die Entstehung war aber sehr problematisch. Die Organisation der effektiven Arbeit dieser Gruppe stellt allerdings heute eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar. Der Vortrag erzählt den spannenden, ungewöhnlichen und manchmal frustrierenden Weg, den wir am Universitätsklinikum Leipzig gegangen sind. Er kann anderen Aktiven Mut machen, ähnliche Wege zu gehen. Wir können auf zahlreiche Erfahrungen zurückblicken, die beim Aufbau einer Umweltschutzgruppe an einem Klinikum hilfreich sind. Um wirklich etwas zu erreichen muss man sehr viel Geduld, Zeit und Energie aufbringen. Wir sind überzeugt: Wir brauchen diese Veränderungen, die Optimierung der kleinen und großen Dinge, die wir unmittelbar verändern können, hier und jetzt. Wir sind auf dem Weg, aber eigentlich sind wir gerade erst losgelaufen und einige blutige Nasen haben wir uns auch schon geholt. Es hat sich ohne Einschränkung trotzdem gelohnt.

Referent: Matthias Knüpfer, Leipzig

Referent: