Kongress therapie LEIPZIG

(abgesagt) N-Kongress: Ernährung als Medizin (S-105)

Kurzbeschreibung

Einstiegsseminar

Beschreibung

Teil 1
Optimiertes Intervallfasten durch clevere Lebensmittelauswahl und gezielte Bewegung
Wie lassen sich die unterschiedlichen Formen des Intervallfastens durch clevere Lebensmittelauswahl und gezielte Bewegungselemente optimieren?

Die Effekte des Intervallfastens haben eine solide wissenschaftliche Basis. Für die Erforschung der Autophagie, einem wesentlichen Effekt des Intervallfastens, wurde 2016 der Medizinnobelpreis an Yoshinori Ohsumi verliehen. Die gesundheitswirksamen Effekte des Intervallfastens wie eine verbesserte Insulinsensitivität, erhöhte Stressresistenz, vermindertes Risiko der Nicht-alkoholischen-Fettlebererkrankung und in Kombination mit angepasster sportlicher Aktivität die gezielte Unterstützung des Fettstoffwechsels lassen sich bezogen auf den individuellen Lebensstil optimieren, wenn die Lebensmittelauswahl und begleitenden Bewegungselemente gezielt und sinnvoll getimet auf die Fastenperioden abstimmt werden. Sport-Anfänger, gesundheitsorientierte Aktive mit geringen Bewegungsumfängen und ohne intensive Trainingseinheiten sowie Fitness-Orientierte mit langfristigem, dauerhaftem Abnehmwunsch profitieren ebenso vom IF wie Ausdauer-Sportler*innen. Die Kombination aus IF und gezieltem Fettstoffwechseltraining kann zur Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit beitragen. Allgemein können Sportler*innen den Vorteil nutzen, dass trotzt IF und gezielter Einschränkung der Energieaufnahme ein zielführendes Training weiterhin möglich ist. An den Fastentagen stehen den Muskeln idealerweise kaum Kohlenhydrate zur Verfügung. Sie werden dann dahin trainiert, überwiegend Fett anstatt Kohlenhydrate zu verbrennen. Aktivitäten an IF-Tagen sollten mit geringerer Intensität durchgeführt werden, um einen zusätzlichen Reiz für die Anpassung an die Fettverbrennung zu provozieren. Mittelfristig gelingt es so, den Stoffwechsel auf die überwiegende Verstoffwechslung von Fetten umzustellen. Die metabolische Flexibilität wird gesteigert. Während für Gesundheitsorientierte zusätzlich Nüchterntrainingseinheiten eingesetzt werden können, um die Fettverbrennung zu beschleunigen, sollten leistungsorientierte Sportler*innen, die ihr Gewicht auf einen Saisonhöhepunkt oder zur Wettkampfphase hin optimieren möchten, neben dem IF zur Optimierung des Energiehaushalts ein gezieltes Fettstoffwechseltraining mit vorentleerten Glykogenspeichern durchführen. Beim Intervallfasten ist die Energieaufnahme vermindert. Oft wird das Spektrum der verzehrten Lebensmittel eingeschränkt. Daher ist beim IF auf eine Lebensmittelauswahl mit hoher Nährstoffdichte zu achten. Besonders Einschränkungen bei der im Allgemeinen ohnehin geringen Aufnahme wichtiger sekundärer Pflanzenstoffe sollten durch eine veränderte Lebensmittelauswahl kompensiert werden. Dennoch werden die empfohlenen Mengen an sek. Pflanzenstoffen in der Regel kaum erreicht. Der Einsatz hochwertiger Mikronährstoffkonzentrate mit breiter Palette an Sekundären Pflanzenstoffen Gemüse und Obst ist daher zu prüfen und situationsspezifisch in das IF-Ernährungsmanagement zu integrieren.

Teil 2
Spezifische Aspekte der Ernährung sportiver Kinder und Jugendlicher unter besonderer Berücksichtigung des RED-S-Syndroms

Kinder und Jugendliche sind keine kleinen Erwachsenen. Sie unterscheiden sich nicht nur anatomisch in Körpergröße und -gewicht, sondern auch physiologisch und metabolisch von Erwachsenen. Diese Unterschiede machen für Kinder und Jugendliche im leistungsorientierten Sport abgestimmte Ernährungsempfehlungen notwendig. Im Gegensatz zu Erwachsenen, bei denen eine positive Energiebilanz in der Regel zu Übergewicht und Zunahme des Körperfettanteils führt, ist sie bei sportiven Kindern und Jugendlichen für die mittel- bis langfristige Gesunderhaltung notwendig. Daher sind Ernährungsempfehlungen für Kinder und Jugendliche im leistungsorientierten Sport primär auf ein optimales Wachstum sowie die Reifung und Entwicklung zu fokussieren. Die Zunahme der Körpermasse entsteht, ein entsprechendes Trainingsregime vorausgesetzt, hauptsächlich durch die Zunahme fettfreier Masse. Dazu gehört der Zuwachs an Muskelmasse. Für diese Prozesse benötigen Heranwachsende viel Eiweiß, relativ mehr als Erwachsene. Der individuelle Energiebedarf der Heranwachsenden variiert stark. Auch innerhalb einer Trainingsgruppe können aufgrund unterschiedlicher körperlicher Entwicklung und Reifung erhebliche Unterschiede im Energiebedarf zutage treten. Zudem werden die Glykogenspeicher erst zum Ende der Pubertät voll entwickelt. Die Glykogenspeicher junger Athleten sind dementsprechend während Training und Wettkampf auch schneller entleert. Daher sind regelmäßige, kleine Portionen kohlenhydratreicher Zwischenmahlzeiten in zeitlicher Nähe zum / beim Training notwendig, um eine hohe Leistungsfähigkeit zu garantieren. Die Aufnahme von schnellverfügbaren Kohlenhydraten beim intensiven Training und in längeren Wettkampfsituationenvermindert das Belastungsempfinden und unterstützt die Leistungsfähigkeit - auch im Training. Die Körperoberfläche von Kindern ist im Vergleich zu Erwachsenen höher, daher erfolgt ein erhöhter Wärmeaustausch zwischen dem Körper und der Umgebung. Daraus resultiert ein erhöhtes Überhitzungsrisiko bei Umgebungstemperaturen über 30°C. Zudem ist die körpereigene Kühlung weniger effektiv. Kalte Getränke vermindern den aktivitätsbedingten Kerntemperatur-Anstieg. Bei hohen Umgebungstemperaturen sollte die Leistungsunterstützung durch Kühlung von innen als auch von außen (durch Wasserspritzer, nasse Handtücher oder Schwämme) erfolgen.

Gefahr: Relatives Energiedefizit

Untersuchungen zeigen, dass junge Sportler leicht in ein gesundheitlich bedenkliches Energiedefizit geraten. Bei regelmäßig hohem Energieverbrauch aufgrund hoher Trainingsumfänge und ungemessener Energieaufnahme kann die sogenannte Energieverfügbarkeit nicht ausreichend sein. Obwohl scheinbar viel gegessen wird, herrscht dennoch ein Sport-bedingtes Energiedefizit. Dieses Phänomen wird als „Relatives Energiedefizit im Sport“ (=RED-S) bezeichnet. Aus diesem Energiemangel resultiert mittel- bis langfristig eine reduzierte Leistungsfähigkeit und vor allem ein Risiko für die Gesundheit. Eine chronisch niedrige Energieverfügbarkeit kann zu Wachstums-/ Entwicklungsstörungen, verringerter Knochengesundheit, verzögerter Geschlechtsreife (Störung / Aussetzung Menstruation) und zur Unterdrückung des Immunsystems führen. Die Entwicklung einer Essstörung wird wahrscheinlicher. Zudem steigt die Verletzungsgefahr, während die Leistungsfähigkeit sinkt. Leider ist RED-S in den Vereinen, bei Trainern und bei (Sport-)Ärzten noch wenig bekannt. In Vereinen sollte RED-S aktiv kommuniziert und ein/e Ansprechpartner/in für Betroffene bzw. deren Eltern eingesetzt werden.

Referent: Uwe Schröder, Bad Nauheim

Referent:

Uwe Schröder
Deutsches Institut für Sporternährung e.V.