Seminar

Spezifische Aspekte der Ernährung sportiver Kinder und Jugendlicher unter besonderer Berücksichtigung des RED-S-Syndroms (N-Kongress) (S-173)

Kinder und Jugendliche sind keine kleinen Erwachsenen - auch nicht im Sport und entsprechenden Ess- und Trinkempfehlungen

Kurzbeschreibung

Zutritt nur mit Kongressticket

Beschreibung

Kinder und Jugendliche sind keine kleinen Erwachsenen. Sie unterscheiden sich nicht nur anatomisch in Körpergröße und -gewicht, sondern auch physiologisch und metabolisch von Erwachsenen. Diese Unterschiede machen für Kinder und Jugendliche im leistungsorientierten Sport abgestimmte Ernährungsempfehlungen notwendig. Im Gegensatz zu Erwachsenen, bei denen eine positive Energiebilanz in der Regel zu Übergewicht und Zunahme des Körperfettanteils führt, ist sie bei sportiven Kindern und Jugendlichen für die mittel- bis langfristige Gesunderhaltung notwendig. Daher sind Ernährungsempfehlungen für Kinder und Jugendliche im leistungsorientierten Sport primär auf ein optimales Wachstum sowie die Reifung und Entwicklung zu fokussieren. Die Zunahme der Körpermasse entsteht, ein entsprechendes Trainingsregime vorausgesetzt, hauptsächlich durch die Zunahme fettfreier Masse. Dazu gehört der Zuwachs an Muskelmasse. Für diese Prozesse benötigen Heranwachsende viel Eiweiß, relativ mehr als Erwachsene. Der individuelle Energiebedarf der Heranwachsenden variiert stark. Auch innerhalb einer Trainingsgruppe können aufgrund unterschiedlicher körperlicher Entwicklung und Reifung erhebliche Unterschiede im Energiebedarf zutage treten. Zudem werden die Glykogenspeicher erst zum Ende der Pubertät voll entwickelt. Die Glykogenspeicher junger Athleten sind dementsprechend während Training und Wettkampf auch schneller entleert. Daher sind regelmäßige, kleine Portionen kohlenhydratreicher Zwischenmahlzeiten in zeitlicher Nähe zum / beim Training notwendig, um eine hohe Leistungsfähigkeit zu garantieren. Die Aufnahme von schnellverfügbaren Kohlenhydraten beim intensiven Training und in längeren Wettkampfsituationenvermindert das Belastungsempfinden und unterstützt die Leistungsfähigkeit - auch im Training. Die Körperoberfläche von Kindern ist im Vergleich zu Erwachsenen höher, daher erfolgt ein erhöhter Wärmeaustausch zwischen dem Körper und der Umgebung. Daraus resultiert ein erhöhtes Überhitzungsrisiko bei Umgebungstemperaturen über 30°C. Zudem ist die körpereigene Kühlung weniger effektiv. Kalte Getränke vermindern den aktivitätsbedingten Kerntemperatur-Anstieg. Bei hohen Umgebungstemperaturen sollte die Leistungsunterstützung durch Kühlung von innen als auch von außen (durch Wasserspritzer, nasse Handtücher oder Schwämme) erfolgen. Gefahr: Relatives Energiedefizit Untersuchungen zeigen, dass junge Sportler leicht in ein gesundheitlich bedenkliches Energiedefizit geraten. Bei regelmäßig hohem Energieverbrauch aufgrund hoher Trainingsumfänge und ungemessener Energieaufnahme kann die sogenannte Energieverfügbarkeit nicht ausreichend sein. Obwohl scheinbar viel gegessen wird, herrscht dennoch ein Sport-bedingtes Energiedefizit. Dieses Phänomen wird als „Relatives Energiedefizit im Sport“ (=RED-S) bezeichnet. Aus diesem Energiemangel resultiert mittel- bis langfristig eine reduzierte Leistungsfähigkeit und vor allem ein Risiko für die Gesundheit. Eine chronisch niedrige Energieverfügbarkeit kann zu Wachstums-/ Entwicklungsstörungen, verringerter Knochengesundheit, verzögerter Geschlechtsreife (Störung / Aussetzung Menstruation) und zur Unterdrückung des Immunsystems führen. Die Entwicklung einer Essstörung wird wahrscheinlicher. Zudem steigt die Verletzungsgefahr, während die Leistungsfähigkeit sinkt. Leider ist RED-S in den Vereinen, bei Trainern und bei (Sport-)Ärzten noch wenig bekannt. In Vereinen sollte RED-S aktiv kommuniziert und ein/e Ansprechpartner/in für Betroffene bzw. deren Eltern eingesetzt werden.

Referent:

Uwe Schröder
Deutsches Inst. für Sporternährung eV