Familie denken

Familienzentriertes Vorgehen im Kontext von Familien mit einem psychisch erkrankten Elternteil – eine Einführung

Beschreibung

Relevanz: In Deutschland sind jährlich rund 30 % der Erwachsenen von einer psychischen Erkrankung betroffen. Somit erleben jedes Jahr etwa 3 Millionen Kinder einen Elternteil mit einer psychischen Erkrankung (Lenz & Brockmann, 2013, p. 20). Etwa die Hälfte der Kinder und Jugendlichen psychisch erkrankter Menschen sind selbst psychisch auffällig oder im Grenzbereich (Wiegand-Grefe et al., 2013, p. 31). Familienorientierte Interventionen weisen die höchste Akzeptanz in Bedarfsanalysen auf und werden aus fachlicher Sicht einhellig für sinnvoll erachtet (Krumm, Becker & Wiegand-Grefe, 2013, p. 367). Zielgruppe: In allen Settings tätige Ergotherapeuten, die Klienten (Kinder oder psychisch Erwachsene) aus den betroffenen Familien begleiten. Zielsetzung: Grundsätzliches Anliegen dieser Fortbildung ist es, die Teilnehmer zu befähigen, ein familienzentriertes Vorgehen, als Haltung sowie als Intervention im Berufsalltag anwenden zu können. Dabei wird der Blick der Teilnehmer verstärkt auf Ressourcen und Bedürfnisse der Familie als solches, sowie die jedes einzelnen Familienmitglieds gelenkt. Nur wenn Fachkräfte, Eltern und Angehörige aufgeklärt, sinnvoll und angemessenen mit der Erkrankung umgehen, haben die betroffenen Kinder gute Entwicklungschancen (Mattejat, 2008, p.414). Ergebnisse aus der Resilienzforschung zeigen, dass die Art und Weise der Krankheitsbewältigung durch das betroffene Elternteil und die Familie, einen spezifischen Schutzfaktor für die Kinder darstellen (Lenz, 2014, p. 57). Daher erlernen Teilnehmer die drei Grundprämissen familienzentrierten Arbeitens „Family- centered Service (FCS)“, in Anlehnung an Rosenbaum, King, Law, King & Ewans. Darüber hinaus erfahren sie, wie FCS als handlungsleitender Bezugsrahmen in die tägliche praktische Arbeit implementiert werden kann. Beispielsweise welche persönlichen und institutionellen Voraussetzungen erforderlich sind. Bereits vorhandene Handlungsspielräume der aktuellen Heilmittelrichtlinie, Rahmenempfehlungen und Leistungsbeschreibung für Ergotherapie finden ebenfalls Berücksichtigung. Gliederung: 1. Aktuelle Versorgungsituation von Familien mit einem psychisch erkrankten Elternteil 1.1 Selbsterfahrung und Perspektivwechsel 2. Ergotherapeutische Versorgung der betroffenen Familien – state of the art 3. Family centred services/ FCS– eine Begriffsbestimmung, Prämissen und handlungsleitende Prinzipien 4. FCS im ergotherapeutischen Prozess – konkrete Beispiele aus der Praxis 5. FSC und die Heilmittelrichtlinie –aktueller berufsrechtlichen Handlungsrahmen 5.1 Voraussetzungen und fördernde Faktoren für die Implementierung von FCS 6. Professionelle und institutionelle Grenzen von FCS  

Referent:

Anna Franke
Praxis für Ergotherapie

Co-Referent:

Bettina Fervers-Marten
Praxis für Ergotherapie