Bewegung und Körperhaltung heute (S-016)

die Tücken der subjektiven Wahrnehmung im Alltag

Beschreibung

Lasst uns mit einem Zitat von V.v. Weizsäcker beginnen: „Wäre die Selbstbewegung allein maßgebend, so verliefe sie vermutlich anders als in der Wirklichkeit, welche die äußeren Kräfte hinzufügt. Es ist eine Umwelt da, welche die Selbstbewegung offenbar ändert und sie (ein wenig psychologischer ausgedrückt) „stört“, worin etwas vielleicht nicht immer Willkommenes liegt.“ (1) Unsere Umwelt ist von großer Bedeutung, einerseits ihre unveränderbare Beschaffenheiten wie Schwerkraft und Raumstruktur, aber auch die veränderbaren Bedingungen in unserem individuellen Alltagsleben, beispielsweise am Arbeitsplatz oder im häuslichen Umfeld. Für unsere „Selbstbewegung“ sind Faktoren, wie zum Beispiel andauerndes starres Sitzen, monotones Arbeiten oder auch gewisse gewohnte bzw. adaptierte Körperhaltungen, wichtig zu beobachten. Diese Bedingungen formen, ohne dass wir weiter Notiz davon nehmen, unseren Körper, unsere Gewohnheiten und somit auch unseren Verstand. Nach einem Bericht aus dem Jahr 2017 der Verbraucherzentrale (2), sitzen Kinder und Jugendliche montags bis freitags durchschnittlich 10,5 Stunden/Tag und am Wochenende 7,5 Stunden/Tag, auf teils unangepassten und meist zu kleinen Möbeln. Ihre Bewegungswelt reduziert sich somit vor allem auf ein eingeengtes Sitzen mit wenig Bewegungsfreiheit. Mit dieser Bewegungserfahrung starten sie in den Beruf bzw. drastisch gesagt in das restliche Leben. An dieser Stelle sollte man sich die Frage stellen: Wissen diese Menschen, was sie brauchen um gesund zu arbeiten und zu leben? Hineingewachsen in ein System aus Muskelverkürzungen, werden diese ebenso wenig wahrgenommen, wie die nicht vorhandene Bewegungsfreiheit. Scheinen diese Überlegungen an dieser Stelle wohl überflüssig zu sein. Schließlich wurde die Schulprüfung erfolgreich bestanden und eine interessante Ausbildung gefunden. Das Leben nimmt also einen durchaus positiven Lauf und Beschwerden in irgendeiner Art gibt es keine. Wozu also alles schwarz sehen und Andeutungen auf aktuell (noch) Unbedeutendes machen? Schließlich kann man Probleme auch herbeireden… Wir wollen uns genau mit diesem Thema auseinander setzten: diesem angedeuteten schmalen Grat zwischen frühzeitiger Prävention und der Schulung des eigenen Körperverständnisses auf der einen Seite und der Scheu gegenüber unbekanntem, mit viel Arbeit verbundenem, Terrain, welches sich in der Gegenwart eventuell noch nicht als Problem darstellt, auf der anderen. Unsere Arbeit in einer Rehabilitationsklinik zeigt uns täglich eine Vielzahl an Lebensgeschichten, bei denen man ins Grübeln kommt und bei denen sich das Nachdenken, Weiterdenken und Diskutieren lohnt…

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