Einfluss von Orthesen und funktioneller Elektrostimulation der unteren Extremität in der Neurorehabilitation

Beschreibung

Neuroplastizität ist nicht nur nach Schlaganfällen möglich, sondern auch bei progredienten Erkrankungen des ZNS wie bei der Multiplen Sklerose, v.a. im Anfangsstadium und bei mittlerem Schweregrad. Funktionelle Bewegungen sind laut Studien effektiver als reine Bewegungsübungen, die das ROM erhalten sollen. Eine frühzeitige Rehabilitation ist wichtig, um physiologische Bewegungen anzubahnen. Unphysiologische Kompensationsmechanismen sollen vermieden werden, damit sie sich nicht einschleifen. Die ganzheitliche neurologische Rehabilitation umfasst neben ggf. medikamentöser Therapie und Physiotherapie auch eine orthetische Versorgung. Bei Fußheberschwäche mit und ohne Hyperextension im Kniegelenk, aber auch wenn mehrere Muskelgruppen betroffen sind, kann die Mobilität, Selbständigkeit und Lebensqualität von Patienten durch Orthesen signifikant gesteigert bzw. erhalten werden. Reichen Fertigprodukte nicht aus, werden Unterschenkelorthesen (AFOs) individuell angefertigt und bei Fußheberschwäche mit begleitender geringer Knieinstabilität eingesetzt. Reicht eine AFO nicht aus oder ist die gesamte untere Extremität in einem stärken Ausmaß betroffen,, stabilisiert eine Ganzbeinorthese (KAFO) und beugt einer übermäßigen Belastung des passiven Bewegungsapparates und daraus resultierenden Sekundärschäden vor. Bei einer Fußheberschwäche kann durch funktionelle Elektrostimulation (FES) mittels Aktivierung des peripheren Nerven ein nahezu physiologisches Gangbild erreicht werden. Sind weitere Muskelgruppen betroffen, kann auch die Oberschenkelmuskulatur in die Stimulation einbezogen werden. In vielen Fällen kann dadurch eine Hyperextension im Kniegelenk vermieden bzw. Kniestreckung erreicht werden. Ist die Extensorengruppe der unteren Extremität ausgefallen, so kann durch mikroprozessorgesteuerte Kniegelenke ein nahezu physiologisches Gangbild erreicht werden. Aufgezeigt werden die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Versorgungen anhand von Fallbeispielen. Zudem präsentieren wir erste Ergebnisse unserer Vergleichsstudie zwischen FES und Orthesenversorgung bei Patienten mit neurologischen Erkrankungen im Hinblick auf Parameter wie Gelenkbeweglichkeit (ROM), Kraft (MFP-Werte), TuG-Test und Inaktivitätsödem. Patienten die mit Orthesen versorgt werden erfahren einen Gebrauchsvorteil und Behinderungsausgleich. Ihre Selbständigkeit und Lebensqualität kann signifikant verbessert werden. Orthesen können sich spastikmindernd auswirken. Die in der Rehabilitation wichtige Physiotherapie kann funktioneller gestaltet werden. Dies unterstützt die Neuroplastizität des Gehirns.

Referent:

Simone Paulyn
Brandes & Diesing Vitalcentrum